Eingetütet

Ich hab‘s aufgegeben! Mein jahrelanger Widerstand war zwecklos. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich im panificio oder beim fruttivendolo schon freundlich darum gebeten habe, mir keine Tüte zu geben. Alles vergeblich! Jetzt nehme ich jeden Tag aufs Neue das in einer Papiertüte verpackte Brot stoisch in einem Plastikbeutel entgegen und lege anschließend beim Gemüsehändler ohne zu murren eine weitere Plastiktasche mit den in einer Papiertüte abgewogenen Tomaten in meinen Einkaufskorb. Che cos’è, was soll‘s!

Seit 2011 sind Plastiktüten im herkömmlichen Sinn in Italien eigentlich verboten. Bis dahin waren die Italiener in Europa die Spitzenverbraucher der aus viel Erdöl erzeugten Beutel. Es heißt, dass seinerzeit an die 25 Milliarden Tüten im Jahr, durchschnittlich 300 Stück pro Kopf, unters Volk gebracht wurden. Auf solche Mengen zu kommen, war damals leicht. Nicht nur beim Großeinkauf wurden ungefragt Tüten zur Ware gelegt. Auch ein Sträußchen Petersilie auf dem Markt oder fünf Schrauben im Eisenwarenladen wurden grundsätzlich in Plastiktüten überreicht. Wer keine wollte, durfte mit einem erstaunten Blick des Verkaufspersonals rechnen.

Daran hat sich offenbar nichts geändert, nur dass die Tüten jetzt aus kompostierbarem Material sind. Und dass man im Supermarkt dafür bezahlen muss. Immerhin wird dort ein Nein akzeptiert.

Nicht aber in den kleinen Läden oder auf dem Markt, wo die Beutel ungefragt und gratuito zum Einkauf dazu gereicht werden. Aber was soll’s, denke ich mir, andere Länder, andere Sitten. Verstehen tue ich’s trotzdem nicht. Muss wohl mit irgendeiner italienischen Plastiktüten-Tradition zusammenhängen.

Wenigstens zersetzen sich diese sacchetti nicht erst in Jahrhunderten, sondern, wenn’s gut läuft, bei optimalen Bedingungen und konstant 60 Grad Celsius in 60 Tagen. Dass dabei Kohlendioxid frei wird, steht auf einem ganz anderen Blatt und ich will mich hier gewiss nicht als radikale Klimaschützerin aufspielen. Immerhin: Zum CO2-Ausgleich trage ich meine kleinen Plastiktüten im nachhaltigen Einkaufskorb jetzt ja zu Fuß nach Hause!

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