Blumenparkplatz

Was mir meinen Alltag in Sizilien besonders erleichtert, sind die am Sonntag Vormittag geöffneten kleinen Supermärkte und Metzgereien. Die Einkaufszentren in den großen Städten sind ja ohnehin an jedem Tag der Woche geöffnet und vor allem an den Sonntagen beliebtes Ausflugsziel. In Noto gibt es ein solches Centro commerciale aber nicht.

Das Angenehme der am Sonntag Vormittag geöffneten Geschäfte ist, dass sie den Druck aus dem Wochenendeinkauf am Samstag rausnehmen. Hat man samstags zum Beispiel die Zahncreme vergessen, kann man bequem am Sonntag Vormittag schnell noch eine frische Tube holen.

Ich muss nur eine recht steile Gasse und am Ende noch eine ziemlich unbequeme Treppen runterlaufen, um meinen sonntäglichen Einkauf zu erledigen.

Auf dem Weg nach unten gilt mein Blick hauptsächlich dem Weg und den Treppen, um nicht zu stürzen. Aber auf dem Rückweg lockt eine schmale Seitengasse, die mit ihrem üppigen Blumenschmuck einen bunten Farbtupfer in den „Straßenschluchten“ meiner Nachbarschaft abgibt.

Der Vico ist so eng, dass nicht mal kleine Fiat Cinquecentos durchpassen würde. Ein paar Treppen mittendrin tun ihr Übriges, selbst der verwegenste sizilianische Autofahrer würde da seine geliebte macchina nicht drüberjagen.

Der kleine Garten vor den Häusern wirkt so frisch und friedlich. So, als ob der Sonntag damit sein Festgewand angezogen hätte. Weil mich meine Zahnpastatube im Einkaufsbeutel nicht beschwert, nehme ich diesen kleinen Umweg gerne in Kauf.

Anstatt der Blechkarossen parken hier nun also vor den Häusern Blumenkübel. Rosen wachsen aus einer alten Wasserzisterne, wie auch ich eine auf der Dachterrasse stehen habe. Um sie hübsch zu bepflanzen, müsste ich allerdings das ganze Jahr über hier sein.

Besonders schön finde ich die Blüten, die in Deutschland meist an Weihnachten ihren großen Auftritt haben: Amaryllis. Hier in dieser Gasse wuchern sie rosa-weiß in einem Topf. In Tonkübeln mache ich auch Bananenstauden und Yuccapalmen aus.

Dieser kleine Straßengarten macht richtig Lust, selbst gärtnerisch aktiv zu werden. Ein bisschen Zuwendung könnte meinem Basilikum und der Kaktusfeige auf dem Dach nicht schaden!

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