Es muss zehn Jahre her sein, als ich in einer sizilianischen Zeitung gelesen habe, Noto werde berühmter als Taormina. Die Rede war vom Jetset, der hier lustwandeln würde, von der Transformation einer halb verfallenen Barockstadt im Südosten Siziliens zu einem internationalen Hotspot. Ich habe damals innerlich die Augen verdreht. Nichts deutete darauf hin, dass das gelingen würde.
Außerhalb der Hochsaison im Sommer war ich oft die einzige Ausländerin, die unterwegs war und in meiner Nachbarschaft wurde ich misstrauisch beäugt. Diese Zeit ist lange vorbei.
Selbst an Noto alta geht dieser Wandel nicht vorbei. Fast jedes Haus ist mittlerweile restauriert und die Vende-Schilder an den Balkonen werden immer weniger. In einer aufgelassen Kirche hat dieser Tage ein riesiger Luxus-Mode-Laden eröffnet und nur ein paar Schritte weiter gibt es einen Inneneinrichter, bei dem ich mir nicht mal ein Sofakissen leisten könnte. Ich reibe mir ungläubig die Augen.
Aber diese Entwicklung ist vermutlich die einzige Chance, dieses Konstrukt ausschweifender barocker Baulust namens Noto vor dem schleichenden Untergang zu bewahren, denn nur Gebäude, die eine Nutzung haben, sind nicht dem Verfall preisgegeben.
Dazu mag man stehen, wie man will, ich habe hier schon mehrfach über meine kritische Haltung geschrieben. Trotzdem: Ein anderer Weg würde nicht funktionieren. Die Stadt an sich ist das einzige Pfund, mit dem die Menschen Notos wuchern können und es ist ihr gutes Recht, diese Möglichkeit zu ergreifen. Sie nutzen erfolgreich das Erbe, das ihnen die Vergangenheit hinterlassen hat.
Joachim Fest hat über diesen Zwiespalt in seinem Buch „Im Gegenlicht“ geschrieben. Er wunderte sich 1988, warum viele Menschen im Süden Italiens in hässlichen Wohnsiedlungen am Stadtrand lebten und nicht in den pittoresken Häusern der Altstädte. Sein italienischer Gesprächspartner sagt in dem Buch sinngemäß, dass es eine chauvinistische Haltung der Deutschen sei – mit ihrem Hang zur Verklärung dessen, was sie für das „richtige“ Italien halten – den Italienern das Recht abzusprechen, von den Vorzügen der Moderne zu profitieren. Und die gebe es eben nicht in den dunklen und feuchten Häusern.
Dem kann ich, übertragen auf den Wandel Notos, nicht widersprechen.








