Zwischenzeit

Seit ich von Fahrplänen abhängig bin, befinde ich mich oft in einer Zwischenzeit. Dann, wenn es zu spät ist, mit etwas Neuem anzufangen, aber zu früh, um zum Bus aufzubrechen. Diese kurzen Unterbrechungen habe ich schnell ins Herz geschlossen.

Sicherlich hängt mein entspannter Umgang mit der Zeit auch damit zusammen, dass ich hier in Sizilien keinen durchgetakteten Tagesablauf wie in Deutschland habe, wo von morgens bis spät abends Aufgaben und Termine erledigt werden wollen. Ich muss hier keine Minuten und Sekunden aus den ohnehin schon übervollen Stunden rausquetschen, um weitere, vermeintlich unaufschiebbare Arbeiten unterzubringen.

Deshalb genieße ich diese Zwischenzeit, der ich erlaube, einfach zu verstreichen. Ich warte, bis es soweit ist, loszugehen, oder ich breche zu früh auf und warte unter den schattigen Bäumen am Busbahnhof. Hektik ist nicht willkommen. Ich kann ohne Eile zur Haltestelle schlendern oder ich kann gemütlich auf dem Sofa sitzen und dem Moment entgegensehen, an dem es Zeit ist, zu gehen.

Wenn ich mir etwas für mein Leben in Deutschland wünschen dürfte, dann wären es solche Zwischenzeiten, die sich auftun, wenn die eine Sache fertig ist und die nächste noch nicht begonnen hat. Wenn ich da einfach nur zehn, 20 Minuten an meinem Schreibtisch sitzen und warten dürfte. Um durchzuatmen. Um den Menschen im Raum ein entspanntes Lächeln zu schenken. Oder um kurz über das Wetter oder das Mittagessen zu plaudern. Um einfach für einige Momente ein Mensch und kein Roboter zu sein.

Noch besser wäre so eine Uhr, wie sie in Noto am Glockenturm des alten ospitale Trigona hängt: Die zeigt seit vielen Jahren immer die gleiche Zeit an, weil sie irgendwann beschlossen hat, einfach aus dem System auszusteigen und nicht mehr weiterzulaufen.

Hinterlasse einen Kommentar