Made in Italy?

Italien hat einen neuen Feiertag eingeführt. Also Italiens Ministerpräsidentin, deren Namen ich hier nicht nennen will. Angeblich soll dieser besondere Tag heute sein, an Leonardo da Vincis Geburtstag. Schreibt jedenfalls mein Berufskollege Marc Beise in der Süddeutschen Zeitung.

Heute sollen sich die Italiener*innen demnach selbst feiern. Sich und ihre Errungenschaften. Sie sollen stolz auf ihr Italienischsein sein. Wer kommt denn bitte auf sowas?

Wenn ich so darüber nachdenke: Ich selbst feiere die italienischen Errungenschaften jeden Tag. In Deutschland wohlgemerkt. Auch wenn mir das bis heute gar nicht so richtig bewusst war. In meinen Kochtöpfen, beim Einkauf, wenn ich meine SMEG-Geräte aus dem Schrank hole. Wenn ich in die Eisdiele oder „zum Italiener“ essen gehe. Ich habe sogar Teile meines Lebens diesem Land verschrieben, besser gesagt, dieser Insel, auch wenn die Menschen hier ja oft behaupten, gar keine Italiener*innen zu sein.

Wenn es stimmt, was Marc Beise schreibt, gibt es in Rom mittlerweile ein Ministerium, das sich mit „Made in Italy“ befasst. Ich stelle mir sowas in Deutschland vor: „Made in Germany“-Ministerium. Was würden die denn dort machen? Jammern, weil früher am Standort Deutschland alles besser war? Oder die guten alten Zeiten besingen? Zum Glück sind die ja längst vorbei.

Wenn ich Marc Beises Artikel in der SZ richtig verstanden habe, geht es bei diesem neuen italienischen Gedenktag hauptsächlich um Nationalstolz. Wie ist man auf seine Nation stolz? Ich stamme ja noch aus einer Generation, als in Deutschland Nationalstolz verpönt war, aus gutem Grund. Das hätte gerne so bleiben dürfen.

Als überzeugte Europäerin möchte ich im Jahr 2024 mit solchem Irrsinn eigentlich gar nicht mehr behelligt werden. Deshalb freue ich mich heute einfach trotzig darüber, dass es mir möglich ist, im vereinten Europa als Mensch mit einem zufällig deutschen Pass in Italien einen hoffentlich schönen Tag zu verbringen, unbehelligt von Nationalstolz jedweder Art. Das darf gerne auch weiterhin so bleiben. In Italien ebenso wie in Deutschland oder sonst wo auf dieser Welt.

5 Kommentare zu „Made in Italy?

  1. Danke für den Anstoß, liebe Martina. Ich hatte schon länger vor, zu diesem Thema zu schreiben, aber heute ist also der passende Tag für einen Artikel.😉
    Ich bin übrigens auch stolze Europäerin, oder sagen wir mal, stolz auf die Idee dahinter. Ich kaufe gerne Made in Germany und Made in Italy und Made in Überall, wo faire Arbeits- und anständige Lebensbedingungen herrschen. Herzliche Grüße nach Noto!

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    1. Liebe Anke, ich habe die leise Befürchtung, dass die Schnapsidee der Ministerpräsidentin in Deutschland mehr Aufmerksamkeit erhalten hat als in Italien. Denn in dem Artikel heißt es auch, dass das Interesse an Schulen, in denen es das Fach „Made in Italy“ gibt, verschwindend gering sei 😂 Liebe Grüße in den Norden dieses wunderbaren europäischen Landes!

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      1. In meinem Morgenradio wurde neulich der Fall eines Gymnasiums diskutiert, in dem sich nur einer für die Klasse „Made in Italy“ eingetragen hatte, und man zwanzig andere zwangsweise umleiten wollte, statt den einen in die andere Klasse zu stecken. Was muss, das muss. 😉

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