Im Partybus

Wer den Fehler macht, zu früh in den Bus einzusteigen, sitzt ganz schnell mitten in einer Party. Ist mir so ergangen in der navetta nach Lido di Noto.

Ich kletterte an der Haltestelle als eine der ersten in das kleine Fahrzeug und suchte mir einen Sitz in der Mitte. Unversehens waren die Reihen vor und hinter und neben mir besetzt von einer ausgelassenen, spanisch parlierenden Gruppe. Einer hatte eine große Kühlbox dabei. Soweit, so gut, haben hier ja viele, die ans Meer wollen.

Und schwups, als sich der Bus in Bewegung setzte, wurde die Kühlbox geöffnet. Randvoll mit cerveza war die. Die Flaschen wurden ausgeteilt und ehe ich mich zieren konnte, hatte ich selbst eine in der Hand. Vormittags um 10.30 Uhr, wohlgemerkt.

Zeit, lange nachzugrübeln, was ich nun mit dem Bier machen sollte, hatte ich nicht, denn der Typ auf der anderen Seite des Gangs prostete mir herzlich zu. De abajo hacia arriba! Und dann warf jemand die Musik in seinem Handy an, es wurde gesungen und dass nicht auch noch getanzt wurde, lag schlicht an den beengten Verhältnissen im Fahrzeug. Der Bus wurde jedenfalls zum Club und ich mittendrin. Immer noch vormittags, um 10.45 Uhr.

Groß unterhalten konnte ich mich mit meiner Party-Truppe nicht, ich sage nur Sprachbarrieren. Wollten die, glaube ich, auch nicht. Wer will schon reden, wenn er feiern kann? So ging’s also die knappe halbe Stunde hinunter nach Lido di Noto und der Busfahrer amüsierte sich köstlich.

Muss ja eigentlich ein schöner Job sein, jeden Tag gut gelaunte Menschen zum Strand zu fahren. Dachte ich so. Jedenfalls wirkte unser Chauffeur sehr entspannt, als er in sich hinein grinste. Turisti pazzi, mag er sich gedacht haben, verrückte Touristen.

Das könnte ich ja auch machen, überlegte ich, während ich weiter mein kühles Bier zum Frühstück trank, das mir schnell zu Kopf stieg. Ich wollte nämlich bei meinen neuen amigos auf gar keinen Fall griesgrämig deutsch rüberkommen und nahm deshalb einen weiteren beherzten Schluck.

Zum Glück waren wir dann schnell am Ziel. Sonst hätte mir möglicherweise noch ein zweites Bier gedroht. Und ich hätte sicher meine Bewerbung als Busfahrerin an Ort und Stelle abgegeben. Wer weiß, vielleicht hätten die mich sogar genommen…

Wieder eine Chance verpasst? Wie mein gut gelauntes Leben als Busfahrerin in Sizilien weitergegangen wäre, davon träumte ich später unterm Sonnenschirm am Strand, als ich meinen kleinen vormittäglichen Rausch ausschlief. 😉

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