Man lernt nie aus…

Ich war mir ziemlich sicher: Die Tücken des sizilianischen Alltags kenne ich nach so vielen Jahren mittlerweile in- und auswendig. Heute wurde ich mal wieder eines Besseren belehrt.

Die Fallstricke lauern meistens dort, wo man am wenigsten mit ihnen rechnet. Bei Kleinigkeiten. Beim Selbstverständlichen. Bei Sachen, bei denen man gar nicht großartig nachdenkt.

Ich kurve hier ja meistens mit Mietwagen durch die Gegend. Ist außerhalb der Hochsaison spottbillig und praktisch. Keine Scherereien, keine Reparaturen, keine Steuern, keine Versicherungen. Bis auf meine Begegnung mit dem „Boy without name“ vor ein paar Jahren ist auch noch nie irgendetwas passiert, nicht die kleinste Panne. Nicht mal zu wenig Luft in den Reifen.

Aber irgendwann ist ja immer das erste Mal. Und diese modernen Karren sind ja auch unbestechlich. Sobald etwas nicht 100-prozentig funktioniert, leuchtet irgendetwas auf. Zum Beispiel das Symbol für „Proof tyres, pressure low“. Geht ja noch, denke ich mir, nachdem ich das Symbol gegoogelt hatte. Fahre ich halt zur nächsten Tankstelle und überprüfe den Luftdruck, denkt die Deutsche in Sizilien.

Ich war mir sicher, dass ich dort einen der omnipräsenten Männer dazu bringen würde, das Luftdruckmessen für mich zu erledigen. Und falls doch nicht: Mit einem YouTube-Tutorial habe ich mich bestens vorbereitet. Aber dieses Know how würde ich nur im allerschlimmsten Fall zur Anwendung bringen…

Ich war mir so sicher: Das wird ein Selbstläufer.

Nun ja. Es wurde ein Rohrkrepierer. Erste Tankstelle rein, aus dem Auto raus, lächeln, Tankwart fragen. „Non possiamo farlo.“ Wie bitte? Das können die nicht? Ich frage noch einmal, gleiche Antwort. Mit dem Zusatz, das sie nicht das notwendige Gerät dafür haben.

Also gut, denke ich mir, Pech gehabt, war ja auch wirklich eine winzige Tankstelle. Zum Glück gibt’s in Sizilien ja an jeder Ecke welche, in allen Größen und Farben.

Selbstbewusst steuere ich die nächste an, gleicher Plan. Warte höflich, bis die Kerle irgendwas im telefonino angeschaut haben, und spule mein Sprüchlein ab. Può aiudarmi? Usw., usw. Auf mich haben die jedenfalls nicht gewartet. Unwirsch die gleiche Antwort wie zuvor: „Non possiamo farlo!“ Auf meine Nachfrage, an welcher Tanke denn das Reifendruckprüfen möglich sei, meine absolute Lieblingsantwort: „Non lo so!“

Leicht genervt nehme ich den dritten Anlauf, gleiches Szenario. Dort will man mich zur zweiten Tankstelle zurückschicken. Ha ha ha!

Jetzt bin ich so genervt, dass ich meine Suche aufgebe und versuche, den Bordcomputer zu reset-en. Gelingt mir aber nicht, ist vermutlich auch besser so. Ich vertage das Projekt auf nach der Siesta.

Schließlich bin ich zielstrebig zu einer Werkstatt gefahren, die mir seit Jahr und Tag ins Auge sticht, weil sie so nach Sicilianità aussieht. Gebrauchte Reifen kann man dort kaufen und solche Sachen.

Mein Hilfegesuch wird erhört, ich muss nur noch ein bisschen warten, bis der Meister seinen Vorplatz gekehrt hat. Und dann ist es eine Sache von fünf Minuten. Der Meister will nicht mal Geld von mir.

Also: vergesst die Tankstellen, wenn ihr in Sizilien mal den Luftdruck prüfen wollt. Steuert die unscheinbaren Werkstätten am Straßenrand an. Die, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint…

2 Kommentare zu „Man lernt nie aus…

  1. Diese Meldung kenne ich, sie tritt regelmäßig zweimal im Jahr ein paar Tage nach dem Reifenwechsel auf. Da reicht normalerweise das Zurücksetzen. Aber du konntest nicht wissen, ob gerade erst die Sommerreifen draufgekommen waren oder wirklich etwas mit dem Druck nicht stimmte. Nett, dass du in jedem Fall nichts zahlen musstest. Dann hab weiter gute Fahrt ohne nervige Warnhinweise des Systems!

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    1. Oh, dieses „Problem“ kannte ich noch gar nicht. Was ich mich allerdings frage: Haben die hier unten Winterreifen? Ich sehe schon mein nächstes Abenteuer am Horizont: die Suche nach „Pneumatici invernali“ (falls es das Wort im Italienischen gibt) 😉🤗

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