Hinterm Mond

Mir ist aus Versehen etwas Komisches passiert.

Es war weder geplant noch ein Vorsatz. Es ist einfach passiert, ohne dass ich es gemerkt habe.

Seit ich in Sizilien bin, habe ich weder Radio gehört noch Zeitung gelesen. Der Fernseher blieb aus, und irgendwann fiel mir auf: Ich habe überhaupt keine Ahnung mehr, was draußen in der Welt gerade passiert. Ich lebe quasi nachrichtentechnisch hinterm Mond.

Für mich als Journalistin ist das eigentlich ein unhaltbarer Zustand.

Noch erstaunlicher ist allerdings etwas anderes: Mir fehlt nichts.

Vielleicht ist es mit den Nachrichten wie mit einer Tüte Gummibärchen.

Nicht, weil Gummibärchen schlecht wären. Aber wenn man zu viele auf einmal gegessen hat, möchte man erst einmal keine mehr. Vor Sizilien war ich ständig von Nachrichten umgeben – beruflich und privat. Immer noch eine Meldung, immer noch eine Schlagzeile, immer noch etwas, das Aufmerksamkeit wollte.

Jetzt merke ich, dass ich einfach satt bin.

Nicht für immer. Aber im Moment.

Ich habe keine Ahnung, welche Schlagzeile heute die Welt bewegt. Und erstaunlicherweise macht mich das nicht unruhig. Es fühlt sich eher an, als würde mein Kopf nach einer langen Reizüberflutung einfach eine Pause brauchen. So wie der Magen nach zu vielen Gummibärchen.

Vermutlich ist das keine endgültige Abkehr von den Nachrichten. Wäre für eine Journalistin auch ziemlich schwer durchzuziehen.

Vielleicht brauche ich gerade einfach nur eine kleine Diät, damit aus dem täglichen Nachrichtenstrom wieder das wird, was er sein sollte: Information – und nicht Dauerbeschallung.

Vielleicht gibt es auch Zeiten im Leben, in denen die leisen Nachrichten wichtiger sind als die lauten.

Es überrascht mich selbst, dass ausgerechnet ich das schreibe. Hoffentlich liest das meine Chefin nicht 😉

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