Im Eimer

Manches in Sizilien verstehe ich auch nach so vielen Jahren nicht: Warum die Menschen hier keinen Sinn für ordentliche Müllentsorgung haben zum Beispiel. Dabei gibt es ja täglich eine Müllabfuhr und jeder Haushalt hat sechs beschriftete Eimerchen, in denen sich der Abfall leicht trennen lässt: organico, plastica, carta, vetro, indifferenziato und metalli.

Außerdem steht auf jeder Verpackung, in welchen Eimer sie nach Verwendung wandern soll. Einfacher geht es ja eigentlich nicht. Mir sind zwar die vielen Plastik-Wasserflaschen ein Dorn im Auge, aber wenn man nicht verdursten will, hat man kaum eine andere Wahl. So wie in Deutschland Leitungswasser zu trinken, erschiene mir dann doch etwas zu heikel. Aber wenn schon Plastik, dann wenigstens ordentlich recyceln.

Und dann gibt es ja auch so eine Art Wertstoffhof, wo man kaputte Sonnenschirme, Textilien, alte Farbeimer oder anderes sperriges Zeug hinbringen kann. Wer so wie ich neulich einen Kühlschrank braucht, gibt den alten einfach dem Lieferdienst mit. Die Rücknahme ist glaube ich ohnehin eine EU-Vorschrift. Warum ich allerdings den riesigen Karton samt Styroporauskleidung eine Woche lang aufbewahren sollte, bleibt ein Rätsel.

Kein Grund, den frigo ins Gebüsch zu werfen

Bei genauerer Betrachtung gab es also keinen Grund für mich, den ausrangierten frigo einfach in den nächsten Straßengraben zu werfen. Deshalb wundere ich mich, warum überall in der Landschaft permanent und zuverlässig Elektrogeräte, Matratzen, Müllsäcke mit undefinierbarem Inhalt oder gar verrostete Autos landen. Paradiesisch für Futter suchende streunende Hunde, Katzen und sicherlich für jede andere Art Getier.

Ich gehe mal davon aus, dass illegale Müllentsorgung auch hier unter Strafe steht. Zumindest theoretisch. Und dass auch hier Zigarettenkippen nicht einfach auf die Straße geworfen werden dürfen. Und schon gar nicht im Sand des Strandes ausgedrückt werden sollten. Ich habe sogar schon entsprechende Hinweisschilder gesehen.

Nur interessiert das niemanden. Raucher haben es hier ja noch bei weitem nicht so schwer wie beispielsweise in München, wo Qualmende auf der Straße schon mal einen bösen Blick oder eine fiese Bemerkung ernten. Aber nur weil der Tabakgenuss in Süditalien noch gesellschaftlich akzeptiert ist, heißt das ja nicht, dass man mit den Kippen den Strand übersäen sollte.

Die spiaggia gleicht einem großen Aschenbecher

Denn jetzt, nach dem Ferienmonat August, gleicht die spiaggia in Lido di Noto einem riesigen Aschenbecher. Obwohl ich hin und wieder auch mal gerne eine paffe, finde ich die Kippen am Strand unerträglich. Weil ich auch in dem Fall nicht verstehe, warum die Raucher*innen nicht einfach ein altes Marmeladenglas mitnehmen, in dem sie ihre Hinterlassenschaften sammeln und dann abends ordnungsgemäß im Restmüll entsorgen.

Neulich ist mir ein Mann aufgefallen, der unermüdlich mit einem Kescher Kippen aus dem Sand gefischt hat. Das ist zwar eine Sysiphos-Arbeit, mit der er in diesem Leben nicht fertig werden wird, aber doch immerhin ein Anfang. Beispielgebend. Nur interessiert das niemanden. Leider.

Aber nochmal zurück zum Müll. Das Problem sind ja nicht nur die Menschen, sondern auch die für die Lösung des Problems Verantwortlichen. In Sizilien gibt es meines Wissens nach keine einzige Müllverbrennungsanlage und auf dem süditalienischen Festland sieht es wohl auch nicht viel besser aus. Der südliche Stiefel ertrinkt langsam in seinem eigenen Dreck, weil sie nicht wissen, wohin damit. Und die zuständigen Stellen übernehmen mit ihrer stillschweigenden Duldung der illegalen Müllhalden allerorten auch die Patenschaft für ein ganz anderes Problem, über das ich mich hier gar nicht weiter auslassen will.

Sicher kann man sich nie sein

Ich hoffe jedenfalls nicht, dass mein mit deutscher Gründlichkeit getrennter Abfall von der Müllabfuhr später einfach in die Büsche geworfen wird, nur damit man ihn los ist, weil man nicht weiß, wohin damit. Aber ganz sicher bin ich mir da jetzt bei genauerer Betrachtung nicht mehr.

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