Irgendwann musste es ja mal passieren: ich liege mit einer Erkältung flach. Ich schaue also ermattet den Vorhängen zu, wie sie sich im Wind bauschen und leide ein bisschen vor mich hin. Zum Glück läuft unten auf der Gasse seit Stunden ein unterhaltsames sizilianisches Hörspiel. Und das heißt: Fenster streichen.

Eigentlich ist das ja eine ziemlich unaufgeregte Tätigkeit: alten Lack abkratzen, neue Farbe drauf und fertig. Mehr als eine Person braucht man für diese Arbeit nicht. Glaube ich mit meinem deutschen Pragmatismus.
Aber wir sind ja in Sizilien. Unvorstellbar, dass hier ein Mensch ganz für sich alleine dieses Fenster streichen und, sagen wir, an einem Vormittag fertig werden würde.

Es braucht hier mindestens vier Personen, die schon frühmorgens lautstark dabei helfen, eine Trittleiter in Position zu bringen. Das hört sich zunächst so an, als ob ein riesiges Gerüst aufgestellt werden würde, obwohl das Fenster im Erdgeschoss liegt. Außer einer viel zu hohen Leiter braucht es für dieses Projekt auch viel Palaver, um die Lackierung vorzubereiten.

Zuerst erfahre ich unfreiwillig, weil lautstark, alles über die Geschichte des Hauses, das noch gar nicht so alt ist. Dann wird detailliert besprochen, wie die anstehende Aufgabe zu lösen sei. Weil ja jederzeit etwas fehlen könnte, parken zwei Pkw in der an sich für Autos viel zu kleinen Gasse, so dass für Fußgänger kein Durchkommen mehr ist. Die sorgen dann jeweils mit ihrem Geschimpfe für die notwendige Prise Drama in diesem Hörspiel.
Die Aufregung um dieses eine Fenster ist jedenfalls irgendwann riesig. Jetzt kommen auch alle Nachbarn und wollen ihren Senf dazu geben. Jeder weiß zum Thema Maler- und Lackierarbeiten was anderes zu sagen.
Der Vormittag ist irgendwann schon weit fortgeschritten. Passiert ist aber offenbar noch nicht viel. Nur die Leiter steht jetzt wie eine Eins, jedenfalls höre ich nicht mehr, dass für sie der perfekte Standort gesucht werden muss.
Was folgt, ist erst einmal eine dreistündige Mittagspause, in der aber weiter lautstark gefachsimpelt wird. Männer unter sich. Begleitet wird dieser Diskurs vom Geklapper des Geschirrs. Und alle möglichen anderen Themen werden außerdem verhandelt, angefangen beim Wetter, über das Essen bis hin zu den Enkelkindern.

Schließlich stört die Signora des Hauses die Runde. Was sie zu der Truppe gesagt hat, bleibt für mich allerdings im Dunkeln. Aber schon kurz darauf fahren die beiden Autos weg. Es wird still. Lösungsmittel wehen zu mir ins Zimmer. Also wird das Fenster heute doch noch gestrichen.











































