Stachelige Angelegenheit

Kaktusfeigen: Jetzt sind die stachligen Früchte reif, die hier an jeder Ecke wachsen. Wenn man wollte, könnte man sie tonnenweise ernten. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Gewächse tatsächlich einfach so herrenlos rumstehen.

Kaktusfeigen gelten auf Sizilien als die Frucht der Zukunft, weil zu fürchten ist, dass auf der Insel bald schon nichts anderes mehr wächst. Stichwort Dürre, Wasserknappheit, Versteppung.

Die Pflanzen stehen dicht an dicht, ihre süßsauren Früchte mit der stacheligen Schale werden bis nach Deutschland exportiert. Die Kaktusstaude kommt mit der Trockenheit zurecht, übersteht die Kälte im Winter und braucht auch im Sommer kaum Wasser.

Jedes andere Gemüse muss reichlich gegossen werden und das wird für die Landwirte immer schwieriger. Aber nicht nur für die: 70 Prozent der Insel leiden unter extremer Trockenheit. Sizilien droht zur Wüste zu werden. Das Jahr 2024 mit Hitze und ausbleibenden Niederschlägen hat die Lage noch dramatischer gemacht. 2025 war bisher nur leicht besser.

Eine Reisewarnung

Das Auswärtige Amt warnte Reisende vor dem „erheblichen Wassermangel“, der damit einhergeht. Bisher versuchen die italienischen Behörden Urlauber*innen zwar davon nichts merken zu lassen. Doch während die Pools in den touristischen Anlagen noch gefüllt sind, bekommt die italienische Bevölkerung die Folgen der Dürre bereits zu spüren: Dir natürlichen Seen und die Stauseen trocknen aus.

Die Bauern auf der Insel rechnen mit Ernteausfällen. In einigen Ortschaften wird das Wasser rationiert, in anderen musste im vergangenen Jahr ein Tankschiff der italienischen Marine die Einwohner*innen bereits mit zwölf Millionen Litern Wasser vom Festland versorgen.

Bewusster Umgang mit Wasser

Sollte sich an der Gesamtsituation nichts ändern, muss Sizilien mit großen Einbußen im Tourismus und in der Wirtschaft rechnen. Für Reisende in dieser Region bedeutet das, dass auch sie in Zukunft bewusster mit der knappen Ressource Wasser umgehen müssen. 

Aber zurück zu den Feigenkakteen. Den Pflanzen macht der Klimawandel scheinbar nicht so viel aus. Dass sie anpassungsfähig sind, haben sie ja schon bewiesen: Die Entdecker Amerikas brachten die Pflanze mit nach Europa, wo sie es sich im Mittelmeerraum gemütlich gemacht haben.

Die Pflanzen sind anpassungsfähig

Das Fruchtfleisch lässt sich zu Marmelade verarbeiten. Es rundet einen Obstsalat ab und lässt sich auch mit Fleisch oder Fisch kombinieren. Und roh lässt sich das rote, gelbe oder auch grüne Früchtchen natürlich auch löffeln. Ein Allrounder in der Küche, könnte man sagen. Der regelmäßige Genuss von Kaktusfeigen soll sich positiv unter anderem auf Cholesterin- und Insulinspiegel auswirken. Klingt doch als Henkersmahlzeit gar nicht so schlecht.

Hochofen

Das Thermometer klettert schon am frühen Vormittag gnadenlos immer weiter. Hemmungslos. 36, 37 Grad Celsius. Scheinbar kein Ende in Sicht. Im September. Dazu eine Luftfeuchtigkeit wie in einem Dampfbad. Eine Eistonne wäre zwischendurch nicht schlecht. So aber fühlt sich der sizilianische Tag wie ein ununterbrochener Saunagang an. Die Kleidung, profane T-Shirts ebenso wie ein Designer-Kleid, klebt schnell durchnässt am Körper. Selbst bei absoluter Reglosigkeit rinnt der Schweiß.

Ich bedauere die Touristen, die tapfer die Stadt zu Fuß durchqueren, treppauf, treppab. Wenn ich unbedingt etwas erledigen muss, mache ich es derzeit lieber auf die sizilianische Art: frühmorgens und mit dem Auto.

Mittags bin ich schon so erledigt, dass ich an den Strand gehe, um dort unter dem Sonnenschirm im Schatten Siesta zu halten, direkt am Wasser. Zwischendurch Abkühlung im Meer, auch wenn das nur eine kurze Linderung bringt. Der Wind, der aus Richtung Afrika auf Land trifft, zerrt an den Schirmen und trägt neue Hitze mit sich. Ich dehne meine Siesta am Strand so lange aus, bis die Sonne fast am diesigen Horizont untergegangen ist.

Selbst dann verharrt das Quecksilber weit jenseits der 30 Grad. Am liebsten würde ich jetzt stundenlang unter einer eiskalten Dusche stehen, aber das bleibt ein frommer Wunsch: Das Wasser in der Zisterne hat sich während des Tages an seine Umgebungstemperatur geschmiegt.

Immerhin: Die Sonne brennt jetzt woanders. Der Wind auf der Dachterrasse gleicht in der Dunkelheit einer kühlen Brise, ist aber immer noch so warm, dass der Gedanke an ein kuscheliges Jäckchen gar nicht erst aufkommen mag. Schnell alle Fenster aufreißen, auch wenn das bei den aufgeheizten Mauern nicht viel Linderung bringen wird.

Das Innere des Hauses gleicht einer Backstube, in der sich alle Gegenstände erhitzen. Ich lagere Kleidung im Kühlschrank, der auf Hochtouren gegen die Hitzeschwaden anbrummt.

Erst nach 22 Uhr schaltet sich der sizilianische Hochofen aus. Für ein paar kurze Stunden, in denen in den Gassen das Leben aufblüht. Kinder, Alte, Paare zieht es hinaus auf die Plätze. Stimmengewirr, Lachen, Bälle, die im warmen Licht der Laternen über die gepflasterte Piazza geschickt werden. Aus dem Gefängnis, in dem in manchen Zellen Licht brennt, dringt monotones Gemurmel herüber. Irgendwo weiter weg schreit jemand.

Das geht so immer weiter bis weit nach Mitternacht. Pulsierendes Nachtleben. An Schlafen wäre ohnehin nicht zu denken. Nirgends.

Morgen soll es noch heißer werden…

Abbronzare

Der erste anticiclone africano dieses Jahres heizt die Insel auf. Scipione bläst la prima intensa fiammata africana della stagione über das Mittelmeer. Mit voller Wucht brennt jetzt die Sonne auf alles nieder, was bei drei nicht rechtzeitig in den Schatten kommt.

Ich könnte mir jetzt noch schnell eine knackige Bräune verschaffen, bevor es bald wieder für ein paar Wochen zurück ins vermutlich verregnete Deutschland geht. Vielleicht im Abbronzatissima Beach Club in Lido di Noto. Da ist doch die maximale Bräunung schon per se ein Versprechen. Landläufig heißt es, ja, Menschen mit gebräunter Haut sähen gesund aus. Erholt und attraktiv.

Wenn sich aber sogar das Bundesamt für Strahlenschutz zu diesem ja vordergründig kosmetischen Thema äußert, ist das mit dem Bräunen vielleicht wirklich keine so gute Idee. Bei dieser Behörde denkt man doch eher an radioaktive Gefahren.

Ich habe das mit der braunen Haut aufgegeben. Das hatte allerdings eher pragmatische Gründe: Neidvoll blickte ich lange auf die Sizilianerinnen, die sich jeden Sommer makellos verdunkeln, den Körper immer nach dem wandernden Sonnenstand ausrichtend, auch wenn sie gegen Abend dann nicht aufs Meer sondern auf die Mauer blicken, die die Straße in Lido di Noto vom Strand trennt.

Bei mir war das Ergebnis meiner Anstrengung indes immer ungleichmäßig und unbefriedigend. Außerdem ist es harte Arbeit, sich perfekt zu bräunen. Nicht nur, weil man regelmäßig und stundenlang am Strand sein muss und außerhalb der schlimmsten Mittagssonne den Schatten vermutlich meiden sollte. Abwechselnd heißt es, reglos dazuliegen, sich zu wenden und dazwischen am Wasser auf und ab zu laufen. Und immer die Sonnencreme, noch besser Sonnenöl, im Anschlag. Aber bloß keinen zu hohen Lichtschutzfaktor.

Ich weiß nicht, ob es in Sizilien auch die dogmatisch geführten Diskussionen über die schädliche Wirkung der Sonne auf die Haut gibt, so wie in Deutschland. Ich habe jedenfalls noch niemanden ernsthaft darüber sprechen hören. Fragen will ich nicht, das erschiene mir übergriffig. Und man wird hier ja nach wie vor offen bewundert für seine Bräune.

Selbst wenn ich weiterhin all die Mühe auf mich nehmen würde: Man muss einfach wissen, wann Schluss ist. Ich komme ja aus einer Zeit, in der es den Eltern egal war – bzw. war das damals gar kein Thema – ob ihre Kinder einen Sonnenbrand kriegen. Der war in den 1970er und 80er Jahren beim Italienurlaub automatisch eingepreist.

Eltern waren früher dem – wie wir heute wissen – Irrtum aufgesessen, dass nach dem Sonnenbrand die braune Haut der Kinder geschützt sei, aber was sich da als Bräune zeigt, ist wohl maximal LSF 4 (sagt das erwähnte Bundesamt). Und welche Hypothek uns Kindern damals mit auf den Weg gegeben wurde, wird sich erst später im Leben bzw. auf unserer Haut zeigen.

Ich habe mir deshalb seit ein paar Jahren die aristokratische, nur leicht getönte Blässe auf die Fahne geschrieben. Das kommt in erster Linie meiner Bequemlichkeit zu gute. Mich nervt das ewige Eincremen. Ist außerdem vermutlich gesünder. Und erspart mir später den Frust, dass sich der braune Schein in Deutschland ohne die sizilianische Sonne nach ein paar Wochen wieder vom Körper schälen würde, der ganze Aufwand also umsonst gewesen wäre.

Abends am Strand

Über die Insel spannt sich tagsüber wieder ein Hitzeschild. Die Sonne ist brutal. Nach vielen Sommern in Sizilien verstehe ich, warum die Menschen nachmittags lieber in ihren abgedunkelten Häusern bleiben.

Ich habe mich mittlerweile angepasst. Stehe früh auf, um die Dinge zu erledigen, die getan werden müssen, halte Siesta und wenn die Sonne langsam sinkt, packe ich meine sieben Sachen und fahre ans Meer.

Wenn mir ein autocorso entgegenkommt, weiß ich, dass ich den richtigen Zeitpunkt erwischt habe. Ich werde auf jeden Fall schnell einen Parkplatz finden, will ja keine Zeit verlieren.

Die bagnini räumen bereits ihre Rettungsringe weg. Überall am Strand wird jetzt fleißig zusammengepackt. Die Lücken zwischen den immer noch aufgespannten Sonnenschirmen werden größer.

Perez und Corrado, die einen weiteren Tag ihre Granità verkauft haben, steuern ihre Ape Richtung Heimatgaragen. In den Strandbars decken sie die Tische fürs Abendessen.

Die untergehende Sonne taucht alles in ein mildes Licht. Wenn sie fast ganz verschwunden ist, legen sich Pastellfarben auf den Sand, die Wolken und das Wasser.

Es ist immer noch warm, selbst am Wasser. Im Meer lässt sich herrlich die aufgestaute Hitze des Tages abspülen. Zusehen, wie es dunkel wird. Wie am Horizont aus Himmel und Wasser eins wird. Eine Ahnung von Unendlichkeit. Der Tag geht hier recht schnell, mit einer Abenddämmerung zögert er seinen Abschied nicht unnötig hinaus. Im Gegensatz zu mir.

Dolce far niente

Sonntage sind die Diven zwischen all den Werktagen. Sie beanspruchen für sich eine besondere Rolle in der Dramaturgie der Wochen. Das wurde ihnen bereits im Alten Testament zugesichert und darauf berufen sie sich bis heute. Sonntage sind sozusagen qua Gesetz eine Aufforderung an die Menschen, nichts zu tun, ohne sich dabei zu langweilen. Also der perfekte Tag für dolce far niente.

In Italien hat diese Lebenskunst eine lange Tradition, wie so vieles hier. Es heißt, Plinius der Jüngere habe als erster über das glückselig machende rein gar nichts Tun geschrieben: Olim non librum in manus, non stilum sumpsi; olim nescio quid sit otium, quid quies, quid denique illud iners quidem, iucundum tamen nihil agere,nihil esse. Er sagt unter anderem so in etwa, dass es ein Segen sei, nichts zu tun und nichts zu sein. Und auch Cicero hatte zu dolce far niente eine explizite Meinung: Nil agere delectat, also in etwa, dass es angenehm sei, nichts zu tun.

Nichts zu tun genießt allerdings unter modernen Zeitgenossen nicht mehr den allerbesten Ruf. Langweilig! heißt es dann schnell. Auch an einem Sonntag in Sizilien ist das nicht viel anders, wenn die Bewohner ganzer Straßenzüge beschließen, ihr dolce far niente auf die spiaggia zu verlegen. Und weil sie dort besonders im August mit unzähligen Touristen konkurrieren müssen, die ebenfalls wild entschlossen sind, einen ganzen Sonntag lang nichts zu tun, werden die Autos bereits am frühen Morgen vollgepackt, um ja den besten Platz an der Sonne zu ergattern. Von Sonntagsruhe ist in dieser aufgeregten Aufbruchstimmung nicht viel zu spüren.

Hat der Autocorso aber erst einmal die Stadt hinter sich gelassen, kehrt ringsum köstliche Stille ein. Kein Palaver mehr, kein surrendes telefonino, keine TV-Shows, die aus den Häusern plärren, kein klapperndes Geschirr und keine knatternde Vespa weit und breit. Selbst die ausdauernd bellenden Hunde halten still und die nimmermüden Tauben dösen sich im schmalen Schatten der flachen Dächer durch den Tag.

Nur ein paar Wölkchen am Himmel sind noch in Bewegung. Beste Voraussetzungen also, sich einen Sonntag lang an Plinius und Cicero zu orientieren…

Heat

6 Uhr. Die Sonne ist gerade aufgegangen. Noch schieben sich ein paar Wolken, die von der Nacht übrig geblieben sind, vor sie. Aber nicht lange, sie lösen sich schnell auf. Ich sitze auf der Dachterrasse. Auch in der Nachbarschaft gehen die Jalousien hoch. In Sizilien steht man früh auf und bleibt lange wach. Es wird heiß heute. Deshalb noch mal in aller Ruhe durchatmen und Kaffee trinken.

6 Uhr, die Sonne ist gerade aufgegangen. Es wird heiß heute.

8 Uhr. Ich muss zum Bäcker, samstags ist dort schnell alles ausverkauft. Die Sonne brennt direkt in die Straße, es gibt zu dieser Tageszeit kaum Schatten in der Via Tamagnino. Schnell läuft mir der Schweiß ins Gesicht. Vor „Il Forno“ hat sich bereits eine Schlange gebildet. Das warten im klimatisierten Verkaufsraum geht in diesen Zeiten nicht. Mit Mundschutz stehe ich mit den anderen Kunden in der prallen Sonne. Wenigstens fängt die Mund-Nasen-Bedeckung auch den Schweiß auf. Trotz der frühen Uhrzeit ist die Auswahl bereits eingeschränkt. Dann will ich auch noch zum Metzger, der auch einen kleinen Lebensmittelmarkt integriert hat, Wasser kaufen. Aber davor ist die Schlange noch länger, auch wenn ich hier im Schatten warten könnte. Ich verschiebe das.

9 Uhr. Eiskalt zu duschen habe ich mir abgewöhnt, man schwitzt hinterher noch mehr. Das gleiche, wenn man Wasser aus dem Kühlschrank trinkt. Am besten, es ist körperwarm, das zu taxieren ist bei diesen Temperaturen kein Problem, wenn man es einfach auf dem Küchentisch stehen lässt. Um Wasser zu sparen, ich habe im Augenblick nur noch eine angebrochene 1,5-Liter-Flasche, mache ich mir nochmal einen Kaffee und frühstücke.

10 Uhr. Die Waschmaschine ist durch, ich hänge die nassen Teile auf die Leine. Als das letzte Stück fixiert ist, ist das erste bereits wieder trocken. Unterdessen hat jemand im Himmel den Heißluftfön angemacht. Also Fenster und Läden schließen, sonst ist es später im Haus wie im Backofen.

11 Uhr. Ich mache erstmal eine Pause. Nur nicht an die Hitze denken. Letzte Woche hatte ich noch gedacht, dass dieser Juli eine herbstliche Anmutung habe. Es gab tagelang Gewitter, es hat viel geregnet, in Palermo und bei Catania gab es sogar üble Überschwemmungen. Dazu lagen die Temperaturen „nur“ bei 30 Grad. Die Strände waren leer und man hatte sich im Sand nicht die Füße versengt. Mit sowas rechnet hier im Juli keiner. In den Zeitungen hatten sie geschrieben, dass das der Klimawandel sei und dass der Mittelmeerraum davon stärker als andere Regionen betroffen sei. Das glaube ich auch, denn das, was ich in den vergangenen Jahren hier bereits an Wetterphänomenen erlebt habe, ist beängstigend.

12 Uhr. Irgendwer röstet im Vico auf dem Holzkohlegrill Paprika. Das riecht lecker, aber allein die Vorstellung, jetzt vor glühenden Kohlen zu stehen, verursacht mir einen Schweißausbruch.

13 Uhr. Ich hole beim Metzger Wassernachschub. Esse was vom gestern übrig gebliebenen Abendessen. Kein Kaffee. Vielleicht doch an den Strand, obwohl ich kaum Hoffnung habe, dass dort Platz ist. Die Abwägung, ob ich es wagen soll oder nicht, dauert eine halbe Stunde. Weil ich auf den Kaffee verzichtet habe, werde ich müde. Nur mal kurz die Augen zumachen…

16 Uhr. Die Sonne scheint jetzt durch die Ritzen der Fensterläden. Im Zimmer ist es unerträglich heiß. Meine Wetter-App sagt 36 Grad im Schatten. Der italienische Wetterdienst warnt vor der extrem hohen Temperatur. Draußen ist es totenstill, bloß nicht bewegen. Es geht hier auf der Insel aber noch heißer: Temperaturen knapp unter 48 oder – je nach Quelle – sogar fast 49 Grad wurden in Sizilien schon gemessen. Nur im Death Valley/USA zeigte das Quecksilber einen noch höheren Wert an: über 56 Grad. Bei Hitze wird körperliche Arbeit – und weniger präzise messbar auch die geistige – schwieriger, auch weil die Thermoregulation selbst Energie verbraucht, habe ich irgendwo gelesen. Das erklärt mir meine momentane Zurückhaltung bei irgendwelchen Aktivitäten.

17 Uhr. Die Zeit scheint an diesem Nachmittag still zu stehen. Nach Ansicht der Denker in den antiken Metropolen Athen und Rom, an zwei eher warmen Orten also, war große Hitze ebenso zu vermeiden wie strenge Kälte. Das rechte Maß war Trumpf, spätestens seit Aristoteles – von dem die These stammt, die Griechen lägen genau zwischen den Barbaren des kalten Nordens und denen des heißen Südens. Den Wechsel der Jahreszeiten und damit der Temperaturen feiert der Arzt Hippokrates: Dass die Asiaten als verweichlicht und feige gälten, liege außer an der dort herrschenden Despotie daran, dass dort immer das gleiche Wetter herrsche. So lässt sich Kulturchauvinismus also auch mit dem Klima begründen.

18 Uhr. Also jetzt aber ans Meer.

Ganz schön voll…

Oder lieber doch wieder umkehren. Zu viele Menschen. Geht grad gar nicht. Dann lieber ein bisschen durch die Stadt bummeln.

19 Uhr. Die Sonne sinkt. Um kurz nach 20 Uhr ist sie hier bereits untergegangen. Die Dämmerung ist kurz. Wenn es dunkel ist, verlagert sich das Leben auf die Straße. Bis spät in die Nacht. Beim Schlendern über den Corso strahlen die mächtigen Gebäude noch die Hitze des Tages ab. Jetzt ein Eis!

Die Gebäude strahlen abends in der Dämmerung auf dem Corso noch die Hitze des Tages ab.