Klarspüler

Saharastaub kennt man mittlerweile ja auch in Deutschland. Die rötlichen Partikel, die die Sonne milchig werden lassen und als „Blutregen“ wieder aus der Luft gewaschen werden. Schafft es der Gruß aus der Wüste irgendwie über die Alpen, wird er in den Nachrichten rauf und runter erklärt, auch wenn der rote Feinstaub gar nicht mehr so selten vorbeischaut.

In Sizilien gehört der Saharastaub von jeher zum Standardprogramm. Das nahe Afrika macht’s möglich. Über der Insel liegt deshalb meist ein Sepiaton und der Sand in der Luft lässt die Konturen leicht verwischen.

Jetzt fegte ein Sturm aus Nordwesten über die Insel und dazu gab es einige kräftige Regenschauer. Darin muss Klarspüler gewesen sein, denn hinterher strahlte die Landschaft wie frisch poliert. Endlos weite Sicht und gestochen klare Farben.

So sieht das hier also aus… 😉

Unter den Wolken

Es ist schon ein außergewöhnlicher Juni hier in Sizilien: Der Sommer lässt weiter auf sich warten. Die vielen Tourist*innen, die in der Stadt sind, werden langsam ungeduldig. Sie wollen mare e sole. Ist das hier nicht die Insel der Sonne?

Ist sie nicht, nicht in diesem Juni jedenfalls. Ob sich das noch ändern wird, solange ich hier bin, weiß ich nicht. Denn wenn sie in Sizilien etwas nicht können, dann sind es Wettervorhersagen. Das ist wie ein Blick in die Kristallkugel: Fünf Apps, fünf Prognosen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die reichen je nach Wetter-Wahrsager*in von 34 Grad und Sonne pur bis hin zu schweren Unwetterwarnungen mit Gefahr für Leib und Leben. Da hilft nur der Blick aus dem Fenster.

Und abends in den Himmel. Experten könnten aus den Wolkenformationen sicher aufschlussreiche Erkenntnisse ziehen: Hochdruck, Tiefdruck, was auch immer der nächste Tag an Wetterkapriolen bringen mag.

Ich hingegen staune in meinem Wetter-Observatorium auf der Dachterrasse einfach nur, wie der schwindende Tag mit seinem Wasserfarbkasten aus Licht und Schatten die schönsten Wolkenfresken ins Himmelsgewölbe pinselt.

Schlechtes Wetter

Es regnet. Nichts weiter. Kein Unwetter. Kein Gewittersturm. Keine Sturmflut, einfach nur schnödes schlechtes Wetter. Grauer Himmel und Regen. Die Temperatur so la la. Weder kalt noch warm.

Der Sommer ist bislang noch nicht in Sizilien angekommen. Und wenn sich der graue Regenschleier erst mal auf die Stadt gelegt hat, wirkt der bröckelnde Putz da und dort gleich nicht mehr so malerisch. Sizilien bei Sonne kann jede*r. Aber was tun bei schlechtem Wetter?

Mir kommt der Regen allerdings ganz gelegen. Ist er doch eine wunderbare Ausrede, im Haus zu bleiben. Was das anbelangt, bin ich ganz gut integriert: nur nicht rausgehen, wenn’s regnet. Maximal zur macelleria oder um etwas Obst zu holen oder Brot. Bloß nicht sinnlos durch die Gegend latschen und nass werden.

Ein bisschen langweilig ist das zugegebenermaßen schon. Beim Blick aus dem Fenster sehe ich nämlich: nichts. Sind ja alle in ihren Häusern. Kein Palaver, keine heulenden Kinder, niente.

Also nutze ich die Zeit, um mal die Schränke auszumisten. So richtig viele Sachen habe ich hier nicht. Und doch hat sich über die Jahre einiges Zeug angesammelt, hauptsächlich Kleidung, die irgendwann irgendwer wohl nicht mehr mit nach Hause nehmen wollte. Ausgeleierte Bikinis, zu klein gewordene Sachen von den Kindern, ausgetretene Schuhe, kaputtes Strandspielzeug, Sonnenschirme, die ihre besten Tage schon vor Jahren hatten.

Also weg damit. Den Sperrmüll kann ich auf dem Wertstoffhof ganz einfach loswerden. Aber einen Altkleider-Container haben sie hier nicht. In den Müll will ich die brauchbaren Sachen aber auch nicht werfen.

Jetzt bloß die zwei Säcke nicht wieder mit nach Hause nehmen, da stehen sie dann in den nächsten Jahren, ich kenne mich ja.

Etwas ratlos handle ich mit mir selbst einen Kompromiss aus: Die Säcke bleiben erstmal im Kofferraum liegen. Verbunden mit der Hoffnung, in den nächsten Tagen zufällig an einem Container vorbeizukommen. Und wenn nicht? Vedremo!

Und dann kann ich einfach nicht widerstehen und latsche trotz Regens doch noch ein bisschen sinnlos durch die Gegend. Der Strand und das Meer lohnen nämlich bei jedem Wetter einen Abstecher.