Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, sagt man in Deutschland. Auch tausend Schwalben vermögen das derzeit in Sizilien nicht. Trotzdem: Wenn im Juni mit dem ersten Tageslicht die Vögelschwärme aufsteigen, ist das jedes Mal ein faszinierendes Schauspiel.
Gegen 5.40 Uhr färben die ersten Sonnenstrahlen den Himmel rot. Das ist für die Vögel ihr Startsignal. Sie kommen nicht in kleinen Grüppchen, sondern steigen in einem einzigen großen Schwarm über den Dächern auf. Scheinbar chaotisch flitzen sie durch die Luft, begleitet von lautem Getzwitscher. Das geht ein paar Minuten so und ich schaue den Schwärmen fasziniert zu, die, so scheint‘s, dicht über mir ihre Flugkünste zeigen. Dann ist das Spektakel auch schon wieder vorbei.

Wo die Vögel die Nacht verbracht haben, weiß ich nicht. Irgendwo müssen sie ja Nester haben. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Schwalben hier nur auf der Durchreise sind, aber für Zugvögel wäre es jetzt im Juni ja viel zu spät, noch weiter nördlich zu reisen.
Später im Jahr sind die Vogelschwärme dann weg. Vielleicht, um sich als Erste die besten Plätze in Afrika zu sichern, ehe die Kollegen aus dem Norden dort eintreffen?
Sizilien hat jedenfalls für Vogelschützer eine elementar wichtige Bedeutung, besonders hier der Südosten: An der Südostküste zwischen Pozzallo und Pachino liegt ein fast 480 Hektar Fläche umfassendes Feuchtgebiet mit den drei großen Süßwasserlagunen: Pantano Cuba, Pantano Longarini und Pantano Bruno.
Frühere Grundstücksspekulationen, schwere Eingriffe in den Wasserhaushalt der Lagunenlandschaft, illegale Müllablagerungen, unkontrollierter Einsatz von Agrarchemikalien, illegaler Vogelfang, Jagdtouristen aus Italien und Malta und lokale Fischwilderer hatten diesen Zugvogel-Hotspot bis zum Jahr 2013 weitestgehend entwertet und vernichtet. Seither versuchen internationale Stiftungen, den Ökohaushalt wieder herzustellen und haben bereits 390 Hektar der Fläche aufgekauft.
Für Flächenkäufe und umfangreiche Biotopsanierungs- und Biotopentwicklungsmaßnahmen haben die europäischen Stiftungen dort seit November 2013 fast vier Millionen Euro an Spendengeldern investiert. Inzwischen werden wieder 242 Vogelarten dokumentiert, davon 130 Zugvogelarten. Haupt- und ehrenamtliche Bird-Guards haben ein Auge drauf, dass den gefiederten Bewohnern dort nichts passiert.































