Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wo ich gelesen habe, warum die Sizilianer John F. Kennedy verehren. Vielleicht, weil er katholisch war. Jedenfalls gibt es hier ziemlich viele Bars oder Hotels, die nach ihm benannt sind. Und in Noto auch eine pasticceria, die diesen Namen trägt.
Noch im Juni war der Laden, der jeden Abend in der via Príncipe Umberto für ein größeres Verkehrschaos sorgte – die sizilianische Kundschaft parkte natürlich stets in zweiter Reihe direkt vor dem Eingang – nur ein paar Häuser von meinem Standort entfernt. Im Juli ist die Konditorei jedoch umgezogen, in die beste Lage auf der Partymeile hinter dem municipio.
Ich werde diese pasticceria wirklich vermissen. Nicht nur wegen des Gebäcks und der Eistorten, die wir dort an Geburtstagen oft geholt haben. Ich werde sie vor allem wegen ihres Flairs vermissen. Und wegen der Konditorin. Eine alte Sizilianerin wie aus dem Bilderbuch. Stets schwarz gekleidet, strenger Dutt und immer ein bisschen Mehl an Schürze und Rock.
Jetzt ärgere ich mich, dass ich sie nie gefragt habe, wie die pastericcia zu ihrem Namen gekommen ist. Kennedy grüßte, seitdem ich zum ersten Mal in Noto gewesen bin, von einer schon leicht verblichenen Neonreklame. Auch zwischen den vielen Bildern und Fotografien im Laden fand sich ein Bild des chararismatischen und doch etwas zweifelhaften Präsidenten.

Ich genoss es, in dem Laden zu warten, nicht nur, weil es kühl war. Sitzgelegenheiten gab es keine. Dafür überall etwas zu entdecken. Den unvermeidlichen Padre Pio und Mutter Teresa genauso wie Frida Kahlo. Historische Fotos, die vermutlich die famiglia zeigten und große Ölgemälde, deren künstlerische Qualität ich nicht einschätzen konnte.
Die Qualität des Gebäcks, dessen Duft aus dem Backofen schon auf der Straße das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ, indes schon. Im Sommer stand das Fenster stets einen Spalt offen, so dass man die signora noch spät abends ihre biscotti formen sah.


Die leckersten hatten die Form kleiner Eistüten, verziert mit bunten Zuckerstreuseln oder Schokospänen. Herzen halb in rosa Zuckerguss getaucht. Der Teig so mürbe, dass er auf der Zunge zerging. Die signora nahm sich alle Zeit der Welt, ihre Schätze abzuwiegen und zu verpacken. Wortkarg war sie und es hat lange gedauert, bis sie mir manchmal zugelächelt hat.
Vorbei. Ein paar Bilder haben es an den neuen Standort geschafft. Die Leuchtreklame nicht. Auch nicht alle biscotti-Sorten. Die signora schaut ebenfalls nicht mehr aus der Backstube. Alles nur noch Erinnerung.

Dafür kann man jetzt in der pasticceria Aperol trinken und den neuen Inhaber auf TikTok folgen.











