Das Thermometer klettert schon am frühen Vormittag gnadenlos immer weiter. Hemmungslos. 36, 37 Grad Celsius. Scheinbar kein Ende in Sicht. Im September. Dazu eine Luftfeuchtigkeit wie in einem Dampfbad. Eine Eistonne wäre zwischendurch nicht schlecht. So aber fühlt sich der sizilianische Tag wie ein ununterbrochener Saunagang an. Die Kleidung, profane T-Shirts ebenso wie ein Designer-Kleid, klebt schnell durchnässt am Körper. Selbst bei absoluter Reglosigkeit rinnt der Schweiß.
Ich bedauere die Touristen, die tapfer die Stadt zu Fuß durchqueren, treppauf, treppab. Wenn ich unbedingt etwas erledigen muss, mache ich es derzeit lieber auf die sizilianische Art: frühmorgens und mit dem Auto.
Mittags bin ich schon so erledigt, dass ich an den Strand gehe, um dort unter dem Sonnenschirm im Schatten Siesta zu halten, direkt am Wasser. Zwischendurch Abkühlung im Meer, auch wenn das nur eine kurze Linderung bringt. Der Wind, der aus Richtung Afrika auf Land trifft, zerrt an den Schirmen und trägt neue Hitze mit sich. Ich dehne meine Siesta am Strand so lange aus, bis die Sonne fast am diesigen Horizont untergegangen ist.
Selbst dann verharrt das Quecksilber weit jenseits der 30 Grad. Am liebsten würde ich jetzt stundenlang unter einer eiskalten Dusche stehen, aber das bleibt ein frommer Wunsch: Das Wasser in der Zisterne hat sich während des Tages an seine Umgebungstemperatur geschmiegt.

Immerhin: Die Sonne brennt jetzt woanders. Der Wind auf der Dachterrasse gleicht in der Dunkelheit einer kühlen Brise, ist aber immer noch so warm, dass der Gedanke an ein kuscheliges Jäckchen gar nicht erst aufkommen mag. Schnell alle Fenster aufreißen, auch wenn das bei den aufgeheizten Mauern nicht viel Linderung bringen wird.
Das Innere des Hauses gleicht einer Backstube, in der sich alle Gegenstände erhitzen. Ich lagere Kleidung im Kühlschrank, der auf Hochtouren gegen die Hitzeschwaden anbrummt.
Erst nach 22 Uhr schaltet sich der sizilianische Hochofen aus. Für ein paar kurze Stunden, in denen in den Gassen das Leben aufblüht. Kinder, Alte, Paare zieht es hinaus auf die Plätze. Stimmengewirr, Lachen, Bälle, die im warmen Licht der Laternen über die gepflasterte Piazza geschickt werden. Aus dem Gefängnis, in dem in manchen Zellen Licht brennt, dringt monotones Gemurmel herüber. Irgendwo weiter weg schreit jemand.
Das geht so immer weiter bis weit nach Mitternacht. Pulsierendes Nachtleben. An Schlafen wäre ohnehin nicht zu denken. Nirgends.
Morgen soll es noch heißer werden…

















