Zu einem Abstecher nach Siracusa gehört für mich meist auch eine passegiata am Foro Italico. Ich sitze dann unter den Schatten spendenden Bäumen und google die Yachten. Bei den meisten komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Wobei das normalerweise nicht an der Schönheit der Schiffe liegt. Für mein ästhetisches Empfinden sind die meisten Superyachten ziemlich protzig und hässlich.
Das Internet macht es ja möglich, einen kleinen Einblick in die Alltäglichkeiten der wohlhabenden Bootseigner zu bekommen. In der Regel sind das Männer, wie meine oberflächliche Recherche ergeben hat. Da liest man dann, dass so ein Fortbewegungsmittel im jährlichen Unterhalt zwischen einer und zwei Millionen Euro liegt. Man erfährt auch, welche Ingenieure die Dinger entworfen haben und welche Innenarchitekten für das Interieur verantwortlich waren.
Ziemlich viele „Matrosen“ nötig
Auch die Größe der Besatzung, die es braucht, um zehn oder zwölf superreiche Menschen zu versorgen, wird erklärt. Da kommt auf einen Gast in der Regel ein Crew-Mitglied. Während ich da so sitze, beobachte ich diese Angestellten, die Fenster putzen oder den Rumpf abspritzen. Sie nehmen kistenweise Lebensmittel an Bord, die von speziellen Lieferservicen an den Hafen gebracht werden.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, als Matrosin auf so einer Yacht den ganzen Sommer lang durchs Mittelmeer zu kreuzen. Neulich habe ich in einer deutschen Zeitung einen Artikel gelesen, in dem es um diese Jobs ging. Ein Zuckerschlecken scheint es wohl nicht zu sein, rund um die Uhr dafür zu sorgen, dass es den Gästen an Bord an nichts fehlt. Da kann eine Party auch schon mal fünf Tage dauern.
Zuckerschlecken für die Crew ist es nicht
Von Fachkräftemangel war jedenfalls keine Rede, schließlich werden die Staff-Mitglieder von den Milliardären fürstlich entlohnt. Und der Jahresurlaub ist auch länger als bei büroarbeitenden Normalos. Trotzdem wäre das nichts für mich, zu alt und dann auch noch das ganze Wasser überall…
Sehen tut man die Arbeitgeber der „Matrosen“ nicht, wenn man am Foro Italico sitzt. Ich weiß nicht, ob die sich nur auf dem offenen Meer an Deck trauen. Verstehen würde ich es ja, ich hätte an deren Stelle auch keine Lust, mich von Normalos angaffen zu lassen. Andererseits: Die schönsten Häfen der Welt immer nur vom Boot aus zu erleben stelle ich mir auf Dauer ein bisschen langweilig vor. Aber vielleicht schlafen die nach ihren langen Partynächten einfach um 11 Uhr vormittags noch.
Für 140.000 Euro pro Woche chartern?
Ich google weiter vor mich hin, will wissen, mit wem ich es zu tun habe. Da liegt zum Beispiel die Atlante, die dem italienischen Milliardär Remo Ruffini gehört, seines Zeichens CEO des Luxusmode-Lables Moncler. Das sind die Daunenjacken, die man Kitzbühel und anderen schicken Wintersportorten trägt. Daneben ankert die Yacht Rocket, die einem saudi-arabischen Millionär gehören soll. Der bleibt allerdings anonym. Und dann noch die Archelon. Die könnte ich chartern, wenn ich nicht zu geizig wäre, 140.000 Euro für eine Woche hinzublättern, finde ich heraus. Muss ich mir noch überlegen, ob das mein Kontingent an Urlaubstagen in diesem Jahr noch hergeben würde…
Langsam fallen mir die Augen zu und mein Kopf schwirrt. Zeit, wieder ins Leben der Normalsterblichen zurückzukehren, bevor ich mir noch Gedanken machen kann, wo ich diesen Lifestyle in meinem moralischen Atlas verorten würde.


















































